14 Tage Meditation: Die fünf wichtigsten Erkenntnisse

Nach 14 Tagen Meditation mit Zen-Mönchen bin ich wieder zurück im Alltag. 14 Tage lang kein Smartphone, kein Reden, keine Ablenkung und zwischen 10 und 14 Stunden Meditation am Tag.

Es war für mich nicht das erste Meditations-Retreat, aber eines der erkenntnisreichsten. Die fünf wichtigsten Erkenntnisse möchte ich heute gerne mit dir teilen.

Die erste Erkenntnis: Schmerz ist nicht gleich Leid

Die ersten Tage waren anspruchsvoll für mich. Obwohl ich Frühaufsteher bin, war es doch härter als ich geglaubt habe, um 4:30 für die erste Meditation aufzustehen. Mein Rücken, meine Muskulatur, meine Sehnen, waren es nicht gewohnt, so lange still zu sitzen. Nach wenigen Stunden hatte ich starke Verspannungen und Schmerzen. Spannend war, dass ich sofort den Unterschied zwischen Schmerz und Leid erkannte. Schmerz ist die Empfindung, die wir körperlich fühlen. Sie ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach ein Gefühl. Doch sobald mein Denken dazu kam und ich mir dachte: „Oh, diese Schmerzen, ich habe keine Lust mehr zu sitzen.“ wandelte sich der Schmerz in Leid um.

Wenn unser exzessives Denken die Welt um uns bewertet und sie in „gut“ und „schlecht“, „schön“ und „unangenehm“ kategorisiert, fangen wir an die Dinge nicht mehr so wahrzunehmen, wie sie wirklich sind.

Die zweite Erkenntnis: Es geht um den Weg!

Nach ein paar Tagen hatte sich mein System auf den neuen Rhythmus umgestellt und die Erfahrungen wurden tiefgründiger. Mehrere Erkenntnisse, die ich bereits intellektuell verstanden habe, sind in die Gefühlsebene gerutscht. Es wurde mir mit jeder Zelle meines Körpers klar, dass Ziele keinen Sinn machen. Aus zwei Gründen:

  • Wer nicht in der Lage ist, den Moment zu genießen, wird auch nicht in der Lage sein, seine Erfolge zu genießen.
  • Warum setzen wir uns überhaupt Ziele? Ganz einfach: Wir wollen etwas erleben. Wir wollen glücklicher werden. Wir wollen ein Abenteuer. Wir wollen Anerkennung. Wir wollen bedeutend sein. Ganz egal, was es ist, es geht um eine Erfahrung, die wir machen wollen. Warum setzen wir uns dann nicht gleich Erfahrungen statt Ziele? Welche Erfahrungen möchtest du auf dem Weg machen? Was möchtest du erleben und fühlen? Genau darum geht es: Der Weg ist das Ziel.

Es gibt nichts zu erreichen! Nur zu erfahren!

Die dritte Erkenntnis: Du bist nicht der Denker

Die dritte Erkenntnis, die ich mir dir teilen möchte, ist etwas subtiler. Die Erfahrung, die man bei intensiver Meditation macht, das ist die Stillwerdung des Geistes. Stunde für Stunde, Tag für Tag wird die Stimme in deinem Kopf (die meisten denken, dass ist das „Ich“) leiser. Das Denken hört auf und die Wahrnehmung schärft sich.

Buddha hat bei seiner Erleuchtung unter anderem erkannt, dass das Denken nur ein Sinn ist, genauso wie das Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen. Jedoch ist dieser Sinn völlig überlastet. Wegen der Reizüberflutung durch Medien, Smartphone, Arbeit, Mitmenschen ist dieser so intensiv, dass wir kaum mehr fühlen, hören, schmecken und sehen.

Stell dir das so vor: Wenn du zum Sport gehst und dir laute Musik auf die Kopfhörer legst, dann fühlst du die anderen Sinne etwas weniger. So kannst du körperlich mehr leisten, weil du deine Schmerzgrenzen nicht wahrnimmst. Ähnlich ist es mit unseren Gedanken, diese überlagern unsere Wahrnehmung so sehr, dass wir die Welt nicht mehr sehen, wie sie ist.

Sobald die Stimme in deinem Kopf leiser wird, siehst du die Welt mit ganz anderen Augen. Ein einfaches Frühstück nach der Morgenmeditation schmeckt wie vom Sternekoch zubereitet, weil du wieder wirklich schmeckst!

Was noch spannender ist, ist die Erkenntnis, dass wir nicht unsere Gedanken sind.

Wir sind nicht der Denker in unserem Kopf.

Wer dieses Phänomen des absolut stillen Geistes einmal erlebt, der erkennt, wenn er glück hat, auch das „wahre Selbst“ das hinter allem Denken übrig bleibt.

Ich möchte nicht mehr dazu sagen, weil jedes Wort diese Erkenntnis verfälschen würde. Jeder Mensch, der aufwachen möchte, darf diese Erfahrung selbst machen. Das ist nichts Spirituelles oder Esoterisches, es passiert ganz natürlich, wenn du alles weglässt.

Die dritte Erkenntnis: Öffne dein Herz

Ab jetzt wird es schwierig mit den Worten. Denn wenn der Geist ruhig oder sogar still ist, bleiben Erfahrungen, keine Worte. Nach ca. 5-6 Tagen in der Meditation wurde alles leichter. Ich spürte eine ganz natürliche Freude, die vom Herzen ausging. Alles, was ich tat, machte ich mit vollem Herzen. Egal ob ich auf dem Meditationskissen saß oder in der Arbeitsmeditation die Toilette reinigte. Wenn keine Gedanken da sind, die eine Arbeit als „gut“ und die andere als „schlecht“ bewerten, dann bleibt nur noch die Bewegung, die Freude, die Leichtigkeit.

Alles, was du tust. Tue es mit einem offnen Herzen

Die vierte Erkenntnis: Lass es einfach SEIN

Nach ca. 7 Tagen packte mich der Ehrgeiz und ich wusste nicht woher er kam. „Ich“ wollte auf einmal mehr erfahren, noch tiefere Einblicke, mehr Ergebnisse haben.

Dieser falsche Ehrgeiz (und ich weiß immer noch nicht woher dieser kam) brachte mich aus dem Rhythmus. Es wurde anstrengender zu sitzen. Mein Geist wurde wieder aktiver und ich selbst wurde unruhiger. Das ging solange, bis ich mit dem Gedanken spielte aufzuhören. Ich hatte das Gefühl, ich hätte nicht mehr die Konzentration um noch „tiefer“ zu gehen.

Dieser Frust begleitet mich fast einen ganzen Tag. Bis ich es mir erlaubte, den Frust zuzulassen und zu erleben. Als ich beobachtete, warum er für mich da war, wurde mir klar, dass ich wieder in einem Hamsterrad war. Im Hamsterrad des immer MEHR… nur diesmal auf einem anderen Schauplatz.

Dabei ist Meditation genau das Gegenteil: Einfach einmal alles SEIN zu lassen und absolut nichts tun!

Denn sobald ich im Kopf eine Vorstellung habe, was ich erfahren oder erleben möchte, stecke ich in der Zukunft und nicht mehr im Moment.

Die Kunst der Meditation ist einmal alles SEIN zu lassen und absolut nichts zu tun!

Also lies ich alles SEIN und ich befand mich bald dort, wo ich eigentlich sein wollte. Nicht indem ich etwas tat, sondern indem ich nur das wahrnahm, was genau in diesem Moment war. Der jetzige Moment hat bereits alles, was wir uns nur vorstellen können.

(Hier ein kleiner Sprung, denn dieser Blogartikel würde viel zu lange werden, um alle Erkenntnisse und Erfahrungen aufzuzeigen. Viele tiefgründige Erfahrungen, vor allem die Blicke hinter die Kulissen des Lebens, darf ich noch verarbeiten und integrieren.)

Die fünfte Erkenntnis: Begeisterung kommt aus dem SEIN

In den letzten beiden Tagen habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Ich meditierte weniger und machte Spaziergänge im Park, um langsam wieder „zurück“ in den Alltag zu kommen. Dabei spürte ich so eine enorme Vorfreude auf das, was kommt. Auf meine Frau, meine Familie und meine Freunde. Auf meine Arbeit, auf meine Mitarbeiter.
Es zeigte sich so schön, dass die Begeisterung fürs Tun aus dem SEIN entsteht. Wer ohne Pausen durch sein Leben hetzt, wird sich darin verlieren. Derjenige, der immer wieder innehält, um sich zu besinnen, entdeckt die Schönheit in seinem Leben.

Darum darf ich mich jetzt am Ende dieses kleinen Artikels bei dir bedanken! Danke, dass du hier bist. Danke, dass ich dich auf deinem Weg begleiten darf. Danke an all meine Coaching-Klienten und Seminarbesucher. Danke an die wundervolle Gemeinschaft der Achtsamkeits-Academy.

Danke an jeden einzelnen, den ich inspirieren darf.

Du bist wundervoll! Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag!

Dein

Teile es mit deinen Liebsten (Danke!)

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Schindler
Gast

Danke dir Peter für deine Einblicke in deiner Meditation.Ich habe jetzt wieder etwas mehr verstanden,was es möglicherweise bedeuten kann,was man so in einer Meditation erfahren kann. Das ermutigt mich an der Meditation dran zu bleiben.
LG ANDREAS

Brigitte
Gast

Lieber Peter,
auch dir ein großes Danke, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst, auch wenn „Worte nur der Wegweiser“ sein können, so lassen Sie doch eine Ahnung zu von dem was auf erfahren hast. Danke!
Liebe Grüsse Brigitte

Heidrun
Gast

„Ziele machen keinen Sinn“
Lieber Peter, allein mit diesem Satz hast Du mich aus einer alten Falle rausgeholt: Erst dann wirklich leben dürfen, wenn irgendwelche Ziele erreicht sind. Bin selber gespannt, was daraus wird.
Es fühlt sich an, wie wenn ein großer Stein zur Seite gerollt wurde….

katharina wiesauer
Gast

Lieber Peter!

Mir bedeutet ganz unabhängig von den Inhalten Dein „Teilen-Wollen“ so viel. Es ist so ungewohnt, so viel geschenkt zu bekommen und dabei zu spüren wie sehr es Dir ein Anliegen ist, zu teilen und uns den Weg zu bereiten. Wie ein Beet, das du vorbereitest, damit nun alles was da ist, gedeihen darf. Wir bekommen das Werkzeug, hin und wieder ein bißchen Saatgut und ab und zu nur den Tipp, wo wir nach weiteren Samen schauen könnten. Danke für das wunderschöne Gefühl, etwas von Herzen vorbehaltlos geschenkt zu bekommen!
Katharina

Tatjana Miteff
Gast

Puuh, gut dass du die Schmerzen und das Leid bei der Meditation ansprichst. Der Gedanke an das lange Sitzen macht mir Angst, du hast sie mir durch deinen Bericht ein wenig genommen. Einmal dadurch, dass es dir offensichtlich auch nicht leicht gefallen ist, und zweitens dadurch, dass du den Unterschied zwischen Schmerz und Leid aufgezeigt hast. Danke dafür! Liebe Grüße Tatjana

Anne Gabriel
Gast

lieber peter. konnte mich gut in den beschreibungen des geschilderten wieder entdecken.
1000 dank für`s teilen. (auf welchem sesshin warst du?)

Antje Sabatschus
Gast

Vielen Dank,dass du deine Erfahrungen mit uns teilst,ich fand es total spannend von deinem Retreat zu lesen!Ich könnte mir vorstellen,auch mal ein Retreat zu besuchen.Hast du eine Empfehlung?
Liebe Grüße Antje

Ruud
Gast
Lieber Peter, Entschuldige mein mangelhaftes Deutsch. Bin jetzt in der 6. Woche von deinem 11-Wochenkurs, alle Video’s und Erklãrungen hab ich bisher mehrfach gesehen/gehõrt und zum Glück teils erfahren, und ich habe vor sie Stãndig zu wiederholen weil jedes mal lerne ich -wieder zum Gluck- etwas mehr. Ich kann auch zum Glück sagen : ich ahne was du an Erkentnisse , võllig verstehen ich ich alles noch nicht, aber nur das ahnen schon motiviert mich sehr ‚dran‘ zu bleiben und zum grossten Gluck und Dankbarkeit kann ich auch sagen : dank deinem Kurs erfahre ich auch mehr Ruh und Hinsicht… Read more »
Silvie
Gast
Deine Erkenntnisse habe ich mit großem Interesse gelesen. Wie schön, dass du diese Erfahrungen machen konntest. Ich habe mich vor einiger Zeit zur täglichen Meditation „verpflichtet“ und tue es in schöner Regelmäßigkeit. Momentan bin ich auf Urlaub und meine Meditationsdownloads begleiten mich. Ich bin noch weit weg von einem ruhigen Geist und es fällt mir schwer zu verstehen, wann mein wahres Ich etwas sagt (schreibt) oder mein Werkzeug. Ich werde definitiv weiter meditieren, denn mittlerweile freue ich mich immer schon auf die Zeit ganz bei mir. Wenn ich den Weg weiter gehe, werde ich vielleicht ähnliche Erkenntnisse erfahren dürfen, wie… Read more »
Katrine
Gast

Das klingt so „befreiend“!
Meine Gedanken sind inzwischen (glücklicherweise) nicht mehr ganz so wirr
und manchmal gönnen sie sich / mir eine Verschnaufpause.
Dass „da oben“ mal komplette Funktstille ist, ist für mich unvorstellbar!
– vielleicht bin ich irgendwann auch mal so weit!
Ich drücke Dich ganz dolle und danke Dir, dass Du mich (mal wieder) teilhaben lässt an Deinen Erfahrungen
und damit auch mich wieder ein Stückchen weiter in meiner Entwicklung bringst!

Ralph
Gast

Schöner Artikel. Das Lesen wird leider durch pop ups gestört, dass ich deine fb Seite liken soll und andere. Gerade in so einem Bericht finde ich diese Ablenkung unpassend.
Hinweise am Ende des Artikels würden reichen.

Astrid
Gast
Hallo lieber Peter, vielen herzlichen DANK für Dein Teilen. Ich empfinde Vieles so wie Du schreibst… Die Ziele… war es mir immer ein Gräuel und absolut abstrakt „Jahresziele“ im Job zu formulieren!??? Des Weiteren kann ich nur bestätigen, dass die gesamte Reizflut mich sehr von mir selber entfernt… (ich habe das mit der Musik beim Joggen genauso erlebt, wie Du schreibst – man spürt den Körper nicht mehr und geht eher über seine Grenzen). Und so im Alltag… die Arbeit, das Telefon, die Termine, die Besorgungen, die Menschen… ich brauche Alleinzeit wie die Luft zum Atmen. Ich habe immer das… Read more »
Britta
Gast

Lieber Peter,
ich habe deinen Beitrag hier sehr gerne gelesen. Danke für das Teilen deiner Erkenntnisse!
Insbesondere die erste Erkenntnis (Schmerz ist nicht gleich Leid) war für mich so etwas wie ein „Aha-Gedanke“, sowas wie „Ja! Stimmt eigentlich!“.
Beim heutigen Meditieren zwickte es etwas im Rücken und ich habe sofort an diese Erkenntnis gedacht. Und, welch Überraschung, ich konnte es gleich viel besser ‚aushalten‘. 😉
Sei lieb gegrüßt
Britta

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